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January 29 2012
January 26 2012
January 23 2012
App-Special: IPutThe, mjam.at (inkl. Gewinnspiel), LiLi und iHealth [Podcast]
Wie angekündigt werden sich die Specials im Podcast etwas häufen. Diesmal hol ich ein paar Apps aus dem Hut. Konkret ein IPutThe (ein Twitter-Spielchen), mjam.at (essen bestellen), LiLi (Fahrplanauskunft für Linz und iHealt (Blutdruck messen mit iPhone und iPad).
Shownotes
IPutThe
- App von Interview-Partner Thomas Wegerer
- App für das Twitter-Spielchen “I put the”
- Wortteile werden in Wörter eingesetzt und ergeben dort ein bestehendes Wort
- zB: I put the “pro” in procrastination.
- App ist eine nette Spielerei
- Man sucht “sein” Wort bzw. Wortteil ein und die App sucht nach weiteren Wörtern
- draufklicken und die App bereitet den kompletten Tweet vor
mjam.at App
- mjam.at Verzeichnis für Essen-Zustelldienste
- 46 Städt in Österreich (Wien, Linz, Graz, Innsbruck, …)
- Bezahlung via Paypal zB möglich
- jetzt ist eine iPhone-App verfügbar
- Filter nach Postleitzahl, verschiedenen Küchen (italienisch, asiatisch, …)
- funktionierte im Test super
Gewinnspiel für TheAngryTeddy HörerInnen:
zu gewinnen gibt es 1 x € 10,– Gutschein und 2 x € 5,– Gutschein von mjam.at (werden gemailt).
Gewinnen können alle die bis 27.01.
- einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen
- oder einen Tweet mit “Ich möchte einen mjam.at Gutschein bei TheAngryTeddy.com gewinnen /cc @friesenecker” absetzen.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
http://itunes.apple.com/at/app/mjam/id488694956
LiLi – Öffi-App für Linz
- Android User haben endlich eine funktionierende Fahrplanauskunft am Smartphone
- kam über die Open Commons Initiative zustande
- leider noch immer nichts für iPhone User
- Must-have für alle Linzer Android User
https://market.android.com/details?id=at.linzag.linien
iHealth
- ein Blutdruckmessgerät für iOS Geräte
- Kostenpunkt € 83,–
http://www.giga.de/zubehoer/ihealth/news/ihealth-blutdruckmesser-fur-iphone-und-ipad-im-hands-on
Throw-Out
Barcamp Linz am 04.02. im Wissensturm in Linz
http://www.barcamp.at/Barcamp_in_Linz
Podcast-Pate
Diese Podcast-Episode wird unterstützt von Pulpmedia. Die Kollegen der Linzer Agentur haben sich spezialisiert auf:
- Online Marketing
- Social Media und
- Performance Marketing
zu finden sind sie unter: www.pulpmedia.at
January 22 2012
January 21 2012
FM4 Geburstagsfest – Regen & Gatsch
Das FM4-Geburstagsfest in der Arena Wien zählt zu den härtesten Outdoor-Events des Jahres. Bei der OpenAir-Party im Jänner wissen die Gäste nun schon seit Jahren, dass sie sich auf ungemütliches einstellen müssenDas Wetter machte es den BesucherInnen heuer wieder etwas schwer. Hunderte in gelbe Sponsorenplastikfolien gehüllte Figuren huschten durch den Schneeregen und hüpften zur stakkatoartigen Wortakrobatik der Mediengruppe Telekommander im Gatsch. Die Deutsch-Österreichische Kollaboration gab heute in der Arena ihr Abschiedskonzert.
Ab in die Halle
Sollen die Kids draußen in der frischen Luft doch ihre Freude haben, das gesetztere FM4-Publikum zog es eindeutig in die große Halle. Die beruhigten Klänge von Lonely Drifter Karen kämmen leider in diesem Setting nicht voll zur Geltung und wurden durch die enorme Lautstärke komplett entzaubert. Der Band würde ein kleineres wohnzimmerhaftes Ambiente besser stehen. Der grobschlächtigte Sound der Arena-Anlage passte einfach nicht.
Kuchenschlacht
Aber auch draußen ging das Programm weiter. Kaizers Orchestra und Kettcar trotzden dem stürmisch-nassen Wetter und bespielten routiniert die Menge, die wohl nicht bloß zum tanzte um sich warm zu halten. Pünktlich zu Mitternacht gabs wieder eine riesige Torte, die an eine hungrige Meute verteilt wurde. Brot & Spiele eben.
Platzprobleme
Da mit Fiva MC, Nada Surf und Frittenbude nun die eigentlich Highlights erst kommen sollten, wurde die Halle bald gesperrt. Der Platz reichte einfach nicht aus. Hunderte zahlende BesucherInnen standen teilweise mehr als eine Stunde vor verschlossenen Türen, während Securitypersonal mit gewohnt minderer Sozialkompetenz und dem Charme russischer Staatsbeamter willkürlich Einlass gewährten (oder eben nicht). Wer Unmut äußerte hatte garkeine Chance mehr, für sein Geld auch was zu sehen.
Missing Hermes
Der Herr im weißen Anzug hatte seine heurige Abwesenheit ja schon länger on air angekündigt und würdige VertreterInnen gesucht. Darunter dürften sich wohl alle HörerInnen was anderes vorgestellt haben. Für die Gnade des freien Eintritts “durften” die GewinnerInnen in weißen Einweg-Overalls Sponsorware an die Gäste verteilen. Das ganze natürlich “freiwillig”. Der Jugendsender macht wohl nun mit seinen 17 Jahren die ersten Erfahrungen mit dem Arbeitsmarkt und den Vorteilen von unbezahlten PraktikantInnen. Für eine öffentlich-rechtliche Institution eigentlich bedenklich.
Es bleibt ein schaler Nachtgeschmack und ein ungewöhnlich frühes Ende für viele der BesucherInnen. Unsere Fotos werden noch folgen, aber unsrem Kollegen sei seine Nachtruhe gegönnt.
WTF?! – Ein Ball als politisches Statement!
Eine Woche bevor die deutschnationalen Burschenschafter in der Hofburg ihren ach so unpolitischen WKR-Ball feiern, der als zentrales Vernetzungstreffen europäischer Rechtsextremer gilt, wurde am Wiener Badeschiff der WTF?! Ball zelebriert. Als Statement für einen antisexistischen & antirassistischen Normalzustand!
Wenn Backlab zur Party lädt, dann ist auf jeden Fall für gute Musik gesorgt. Neben vielen Künstlerinnen und Künstlern des bunten Kollektivs wurden auch Freunde wie Ira Atari und Pinie Wang auf die Bühne gebeten. Natürlich durfte auf diesem Ball traditionelle Elemente wie die Damen- und Herrenspende am Eingang, die Tombola und eine großartige Mitternachtseinlage von Meile Waschmaschine nicht fehlen.
Der Ball, der mit Hilfe der ÖH und der Uni Wien organisiert wurde stand unter dem Ehrenschutz des genialen Austrofred, der auch einige Preise für die Tombola spendiert hatte. Der Reinerlös dieser Veranstaltung, die eindeutig auf die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO gehören würde, ging an die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien
January 19 2012
lAud Präsentiert: 3 Stills
Punk Rock ist unendlich, kennt keine Grenzen und vereint zudem auch noch alle Musikstile, zumindest wenn es nach den 3 Stills geht. Punk Rock muss laut ihnen aber auch eine gewisse Lautstärke aufweisen und zu viel „Elektro-Zeugs“ ist auch nicht gut!
3 Stills kommen aus Amstetten in Niederösterreich und haben sich 2008 dem guten alten Punk-Rock verschrieben. Am Anfang war die Wahl dieses Musikgenres einfach Mittel zum Zweck, nämlich um gemeinsam Musik zu machen und daraus zu lernen. Schlussendlich kreierten die vier Jungs aber aus diesem Genre ihren eigenen und kreativen Stil.
„Punk Rock ist zum Einsteigen das einfachste, hat aber auch etwas vom dreckigen angsoffen sein. Ob man das Image lebt bleibt jedem selbst überlassen.“
Seit ihrem Bestehen haben 3 Stills schon auf so einige Bühnen gespielt. Bei Gigs in Deutschland, beim Club NoLabel in Wien oder sogar beim Frequency Festival konnten sie einiges an Bühnenerfahrung sammeln. Auch beim Thema „Bandcontest“ können 3 Stills mitreden, sind aber der Meinung, dass diese Konstrukte gegen die Botschaft von Punk-Rock und Musikmachen im Algemeinen arbeiten.
„Es ist ein ewiges leidiges Thema, weil man gegen das gemeinsame Musikmachen kämpfen muss um andere dabei auszustechen.“
Das Booking und die Promotion kommen bei 3 Stills noch aus eigener Hand und sind dank des Engagements von Bassist Johannes dort derweil noch gut aufgehoben. 3 Stills sind aber einer eventuellen Anfrage einer Booking Agentur nicht abgeneigt. Dazu kommt, dass 3 Stills sich auch nicht davor scheuen, sich Kritik von anderen „erfolgreicheren“ Bands einzuholen um ständig an ihrem Punk-Rock zu schleifen.
Im März dieses Jahres haben 3 Stills ihre Debut-EP „Long way to go“ veröffentlicht. Sechs Nummern die sehr gut wiederspiegeln, wie eigenständig dieser Punk-Rock ist. (lAud verweist insbesondere auf die Lieder „I´m writing it down“, „Long way to go“ und „Never gonna Stop“). Es wird aber auch ständig an neuen Liedern gebastelt um eventuell zum Ende der Welt, also Ende 2012, ein erstes Album zu veröffentlichen
Live zu erleben gibt es 3 Stills am 3.3.2012 beim Neulengbacher Musikertreffen und am 10.3.2012 im Madhouse in St.Pölten. Außerdem veröffentlichen sie in den nächsten Tagen zu dem Song „Long way to go“ ihr erstes Musikvideo. Laut 3Stills hat österreichischer PunkRock eine Zukunft, unter anderem weil Bands wie Tommy Gun und No U turn auch Gas geben werden. Man kann also gespannt sein was österreichischer Punk-Rock noch so alles auf Lager hat.
„Es ist wichtig, dass die Musik für uns passt und uns zufrieden macht. Natürlich ist ein Nebenziel auch, dass unsere Musik gehört wird und wir auf größeren Gigs spielen dürfen.“
Ein ausführliches Interview mit 3Stills und die Beantwortung der „Elektro-Zeugs“ – Frage gibt’s hier oder unter: http://cba.fro.at/53639
Und nicht vergessen: „Immer schön lAUd hörn!“
January 18 2012
Bis zum Bundeskanzler – und noch viel weiter
“Bundeskanzler ist für mich auch nur ein Zwischenziel” – so die Aussage von Heinz-Christian Strache auf die Frage, ob er nach der nächsten Nationalratswahl regieren möchte. Das Problem dabei: dieses Zwischenziel wird er erreichen. Über die Groteske der derzeitigen österreichischen Politlandschaft.
Die Ausgangslage für europäische Regierungen, und hier vor allem die österreichische, ist denkbar ungünstig: das Triple-A-Rating von Standard & Poors entzogen, die ORF-Journalisten protestieren gegen die Besetzung des ORF-Büroleiterpostens, und die Zukunftsaussichten sind alles andere als positiv. Noch schlimmer muss es derzeit Werner Faymann gehen: Sparpaket ausverhandeln, eher peinliche als staatsmännische Aussagen im ZIB2-Interview mit Armin Wolf (Stichwort “Ich mische mich da nicht ein, der Generaldirektor sucht sich sein Personal selbst aus”), und zu allem Überfluss scheint ihm ÖVP-Vorsitzender Spindelegger auch noch fremdzugehen.
Und noch dazu scheint Spindelegger nicht mit irgendjemandem zu flirten, sondern mit FPÖ-Frontmann HC Strache. Man sei sich schon “sehr nahe gekommen”, wenn es um das Sparpaket geht – so Strache. Beide wollen die “Leistungsträger” schützen, und Vermögenssteuern sind für beide in etwa vergleichbar damit, wie es legale Abtreibungen für amerikanische Präsidentschaftskandidaten wie dem Republikaner Rick Santorum sind. Eigentlich ist die Situation grotesk.
Grotesk deswegen, weil Strache gegen “Sozialschmarotzer” vorgehen möchte und es laut eigenen Angaben “nicht sein kann, dass ein Mindestsicherungsbezieher gleich viel Geld zur Verfügung hat wie ein fleißiger Arbeitnehmer”. Abgesehen davon, dass in diesem Fall eher der Lohn der unteren Einkommensschicht zu niedrig ist als die Mindestsicherung zu hoch (die Vertreter der Wirtschaftskammer mögen mich für diese Aussage geißeln), ist es grotesk, gerade in diesem Fall eben NICHT für vermögensbezogene, oder zumindest substanzbezogene Steuern wie etwa eine Erbschaftssteuer, einzutreten. Will man an der Substanz nicht ansetzen, muss man dies nämlich wo anders tun – bei Transferleistungen und Einkommen. Und hier fängt die Groteske erst an.
Die Groteske besteht nämlich im Verhalten der Wähler – zumindest wenn man Umfragen glauben darf. Viele Wähler sind hier nämlich einem grundsätzlichen Irrtum unterlaufen, der sich in folgenden Punkten manifestiert:
- Leistungsträger ist nicht gleich Leistungsträger. Die viel zitierte Billa-Kassierin mag zwar viel leisten, zählt aber aus FP- und VP-Sicht nicht unbedingt zu den “Leistungsträgern” – die beginnen erst in höheren Einkommensschichten jenseits der 3500 Euro brutto. Einsparungen bei Transferleistungen und Einkommen treffen nämlich vor allem untere und mittlere Einkommen – die Kassierin merkt 50 Euro Gehaltsunterschied eher als der gut verdienente Regionalleiter, dessen Haus und Anlagen in Ermangelung von Erbschafts- und Vermögenssteuern weiter unbelastet bleiben (wie im Übrigen auch der Grundbesitz von Bauern). Meinen FP und VP also den “kleinen Mann”, kann der Durchschnittsangestellte kaum gemeint sein.
- Die viel zitierten Ausländer, “die unser Sozialsystem ausnutzen” tun in Wirklichkeit das genaue Gegenteil – sie zahlen statistisch gesehen mehr in das Sozialsystem ein, als sie durch Leistungen wieder herausbekommen. Auch dieses Neid-Argument geht also ins Leere.
- Man will bei “Subventionen und Förderungen” einsparen. Klingt gut und nicht den Einzelnen betreffend, ist es aber nicht. Abgesehen davon, dass hier nicht nur Kulturvereine, Migrantenvereine und andere “Einrichtungen”, wie es Strache ausdrückt, betroffen wären, sondern auch andere Förderungen wie Forschung, Entwicklung und Infrastruktur. In Zeiten der Wirtschaftskrise eigentlich ein absolutes No-Go, in Ermangelung eines finanziellen Spielraumes schafft man sich so nur zusätzliche Probleme. Auch hier wird also reine Neid-Politik und das Ausspielen anderer Gruppen betrieben, wo eher der “kleine Mann” durch den Wegfall von Forschung, Innovation und damit Arbeitsplätzen draufzahlt.
Und trotzdem bekommt Strache immer mehr Zulauf, egal, was er sagt. Und das liegt vor allem an einem: der Unzufriedenheit und das Debakel im derzeitigen Öffentlichkeitsauftritt der Regierung. Niko Pelinka, Laura Rudas, Werner Faymann auf der roten Seite, Maria Fekter – “Österreich ist ein stabiles Triple A-Land” – auf der anderen Seite, sie alle manifestieren derzeit das politische Establishment, das nicht merkt, dass der Politikverdruss – und damit der Hang zur FP – immer stärker wird. Laut Umfragen liegt die FP bei 26%, vor der ÖVP mit 25%, knapp hinter der SPÖ mit 29%. Geht man von vorangegangenen Wahlen aus, deklarieren sich bei Umfragen weniger Personen zur FP als in der Wahlzelle – es ist also keinesfalls ausgeschlossen, dass Strache die Nummer 1 wird und eine Neuauflage der Regierung von 2000-2006 folgt. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen – Strache wird Kanzler sein. Die SP hat sich das dann selbst zuzuschreiben – und Niko Pelinka kann es sich im ORF gemütlich machen, Werner Faymann weiter lächeln, und Laura Rudas sich weiter in Interviews blamieren. Sie haben Strache in die komfortable Situation gebracht, machen zu können, was er will – die Wähler laufen ihm zu. Und das ist das eigentlich Groteske.
Foto: Peter Binter, Lizenz CC-BY-SA-2.0-DE
January 17 2012
Shantel: “Ich sage nicht: Das muss der Knaller werden!”
Im Dezember 2011 beehrte der Musiker, Musikproduzent und DJ Shantel den Linzer Posthof. Für subtext.at hat er sich Zeit genommen und Fragen über seine Musik, Veränderungen und das Visuelle beantwortet.
subtext.at: Kannst du dich als Shantel mit drei Worten beschreiben?
Shantel: Anarchie, Romantik und dauermüde.
subtext.at: Du hast Mediendesign studiert?
Shantel: Grafikdesign, nein Kommunikationsdesign hieß es eigentlich.
subtext.at: Warum bist du danach zur Musik übergegangen? Hat es dafür einen ausschlaggebenden Grund gegeben?
Shantel: Musik habe ich schon immer gemacht, auch als Kind. Ich habe maturiert und dann studiert. Und eigentlich war es so, dass ich nicht während des Studiums jobben wollte. Da ich aber nicht wusste, wie ich das Studium sonst finanzieren sollte, habe ich dann angefangen Musik zu machen. Es hat von Anfang an ganz gut geklappt und ich habe weitergemacht. Mein Masterplan war nicht Musik zu machen, sondern etwas mit bildender Kunst zu machen. Doch irgendwie hat sich dann alles verselbstständigt.
subtext.at: Beeinflusst das Visuelle deine Musik?
Shantel: Ich mache generell einen visuellen Eindruck, finde ich. Die Präsentation, das Erscheinungsbild, auch die Videos, alles was man damit darstellen kann, transportiert auch ein Stück die Emotion. Für mich ist es nicht nur pures Grafikdesign, sondern es ist eine interessante Methode, um Emotionen zu vermitteln. Die letzten Jahre, die ich mich mit dem Projekt Shantel beschäftigt habe, sind ganz stark von diesen visuellen Einflüssen geprägt.
subtext.at: Kannst du uns schon vorab etwas zu deinem neuen Album verraten?
Shantel: Was hätten Sie denn gerne? (kurze Pause)
Es ist immer schwierig im Voraus zu sagen, wie etwas wird. Man nimmt sich natürlich viel vor, möchte auch Sachen anders machen oder was Neues auszuprobieren. Ich würde gerne Musik machen, ganz losgelöst von diesen Schubladen, Genres, … Ich kann mir auch vorstellen, dass es ganz anders wird. Wir werden sehen.
subtext.at: Definierst du auf jedem Album einen Song, der dann der Erfolgshit/der Ohrwurm schlechthin wird?
Shantel: Nein, ich sage nicht, das muss der Knaller werden. Es gibt Stücke, da experimentiert man. Man merkt, dieses Lied hat Potenzial, weil es nach vorne geht. Aber es gibt auch traurige Songs. Man muss sich entscheiden in welche Richtung man gehen will, man kann das aber nicht auf Knopfdruck machen.
subtext.at: Hast du über die Jahre eine persönliche Veränderung bemerkt?
Shantel: Die letzten Jahre waren ziemlich verrückt und ich war ständig auf Tour – ich habe über 200 Shows veranstaltet. Ich konnte mir vorher nicht so wirklich vorstellen, wie es eigentlich ist, so viele Konzerte zu geben. Diese Evolution so eine Erfahrung zu machen, ist schon sehr intensiv. Ich wusste nicht, ob es funktioniert, denn es ist von Anfang an ein Experiment. Doch die Erfahrung, dass genau so etwas funktionieren kann, ist unglaublich aufregend. Natürlich war es auch eine Menge Arbeit, denn ich hab die verschiedensten Sachen gemacht – von den kleinen Konzerten bis hin zu den wirklich großen Festivals, doch ich bin mir für nichts zu Schade und es hat sich ausgezahlt. Und über die Jahre hinweg ist es stets gewachsen. Wir leben in einer Zeit, wo der sogenannte Erfolg immer sofort kommen muss, doch für mich ist Erfolg nicht ein dickes Bankkonto zu haben, sondern im Endeffekt Geduld zu besitzen.
subtext.at: Freust du dich schon darauf, nachdem du so lange auf Tour bist, ein paar Tage pausieren zu können?
Shantel: Ja, ich freue mich, denn wenn man auf Tour geht, ist man ständig unter Leuten und in freien Tagen, kann ich mich zurückziehen und genießen, nicht präsent sein zu müssen.
subtext.at: Hattest du auf deiner Tour bist jetzt ein persönliches Lieblingskonzert?
Shantel: Puh, das ist sehr schwierig. Es ist auch schwierig zu sagen, welches Publikum das beste ist. Es ist immer aufregend im Ausland zu spielen, doch es gibt Unterschiede: Mir hat die Show in Helsinki, und auch Istanbul, London, Athen sehr gefallen. Ich habe eine irre Party in Timmelkam erlebt. Ich würde sagen, es gibt kein Highlight, es gibt besondere Umstände, aber ich könnte nie eine Destination als Favoriten definieren. Ich habe zum Beispiel auch schon am Matterhorn gespielt, wo ich die Höhe schon gespürt habe.
Fotos: Julia Dresch
Upcoming: James Morrison @ Gasometer Vienna
Er ist erst 27 Jahre jung und zählt bereits seit Jahren zu den Fixpunkten am internationalen Pop-Himmel. Die Rede ist vom Engländer James Morrison. Seit 2006 seine Debut-Single „You Give Me Something“ erschienen ist, folgt ein Hit den nächsten, wie „Wonderful World“ oder das Duett mit Nelly Furtado „Broken Strings“.
James Morrison schafft, was viele andere Popsternchen wohl ebenfalls gerne schaffen würden, nämlich nicht ins kitschige, nervige Pop-Gedusel abzudriften. Seine Songs handeln, wie sollte es anders sein, von Liebe und großen Gefühlen. Dank seiner wunderbar verrauchten Stimme (die er übrigens einer schweren Erkrankung als Baby zu verdanken hat), gewinnen seine souligen Songs vor allem live im Vergleich zu den Alben nochmals an Stärke.
Einmal gehört, lässt einen diese einzigartige Stimme nicht mehr so schnell los – und das ist auch gut so. Nach einer etwas länger andauernden Pause, in der er sich seinem aktuellem Album „The Awakening“ gewidmet hat, gibt es James Morrison nun endlich wieder live zu sehen und zu hören, und zwar hier:
18.03.2012 Gasometer Wien
Karten bei den üblichen VVK-Stellen, zB bei Musicticket.at ab 37,70
Wiener Technoball: Tradition trifft Moderne
Zum dritten Mal fand der Wiener Technoball in der Pratersauna statt und erfreute sich auch dieses Jahr ungebrochener Beliebtheit. Mit seiner unvergleichlichen Identität, irgendwo zwischen schriller Life-Ball,- und minimalistischer Techno-Ästhetik tänzelnd, entwickelt sich die Veranstaltung zu einem Fixtermin im jährlichen Ball-Kalender.
Dass Wien die Dekadenz für sich gepachtet hat, bemerkte bereits Falco in einem seiner großspurig, peinlichen Auftritte im deutschen Talkshow-Programm. 10 Jahre danach hat die Stadt der Bälle nichts an dem verloren, woraus der Falke seine charakteristische Abgehobenheit und Gleichgültigkeit gewann, mit der er die 80er-Jahre Spaßgesellschaft abfeierte. „Die Titanic sinkt in Panik – aber fesch…“, dieselbe Ästhetik zwischen Erfolg und Scheitern, zwischen Tugend und Laster, oder wie Henryk M. Broder es nennt: „die Lust am Einknicken“ – sie ist es, die auch dem Wiener Technoball seine Besonderheit verleiht und ihn von konventionellen, gutbürgerlichen Ballveranstaltungen unterscheidet. Wo Kravatte und Sakko eben nicht Pflicht ist, aber dennoch jeder versucht, bei allem Verfall doch noch irgendwie schick zu wirken, dort entfaltet Wien auch heute noch seinen magischen Zauber, der nicht nur den großen Falco auf feinstem Pulverschnee talwärts schickte.
Die Wiener Pratersauna, erst kürzlich vom renommierten De:bug Magazin erneut zum zweitbesten Technoclub hinter dem Berliner Berghain gewählt, präsentierte sich mit vier geöffneten Tanzfloors, vier Getränkebars und einer Neni-Snackbar in voller Pracht. Die an anderen Tagen oft überschaubare Zahl an BesucherInnen bewegte sich diesmal knapp an der Belastbarkeitsgrenze. Dennoch trennte sich ab etwa halb drei Uhr morgens die sprichwörtliche Spreu vom Weizen – Leute gingen, andere Leute kamen – so zeigte sich der Club in den frühen Morgenstunden weitaus angenehmer und gelöster.
Musikalisch hatte der Wiener Technoball mit über 20 DJ‘s und Live Acts ein wahres Feuerwerk an Bassmusik abzuschießen. Angenehm hierbei: Kaum nervöses Electro-Gezirpe, sondern durchwegs solider Techno und feinste House-Music. Während der Bunkerfloor die Boxen zur Maximalleistung trieb und durch fantastische Visuals zu überzeugen wusste, sorgte man im Glashaus für amüsantes Retrofeeling zu Electro-Swing und Soulelementen, wie es sich für einen richtigen Ball eben gehört. Der Artspace der Pratersauna wusste mit Valentin Ruhry und Stefan Künzler zwei Künstler von internationalem Format aufzubieten, die den Technoball mit ihren Arbeiten im Bereich der digitalen Kunst geschickt aufwerteten. Nach 6 Uhr lud der Technoball noch in den Sass-Club zur offiziellen Afterhour
Für diese Vielfalt an gebotener Unterhaltung bewegte sich der Ball preislich im absolut verträglichen Bereich. So bekam man ermäßigte Karten bereits um 14 Euro, bei frühem Erscheinen eine Damen,- sowie Sektspende und auch später ließ sich die so schön dekadente Schlumberger-Sektflasche um gute 20 Euro käuflich erwerben. Negativ anzumerken ist die Tatsache, dass ermäßigte Karten im Vorverkauf nur über Mitglieder des Hauptsponsors Raiffeisenbank erhältlich waren.
Tradition trifft Moderne, wo sonst sollte dieses Schlagwort schlagender werden als in der sich rasant entwickelnden Wiener Techno-Szene. Mit einem eigenen Branchen-internen Ball schafft man es, der Wiener Szene eine eigene Identität zu geben – klassische Traditionen einer Stadt mit – zugegeben – vor allem Berlin-importierten Elementen zu vermischen, das scheint die Mission des ersten Balls dieser Art zu sein. Die angesprochene Dekadenz scheint dieser Stadt eben im Blut zu liegen – möglicherweise äußert sich in Wien das Produkt aus nicht verarbeitetem Habsburger-Erbe und plötzlicher Wohlstands-Überforderung mit Vorliebe in dessen musikalischen Subkulturen. Der Wiener Technoball jedenfalls repräsentiert in überzeugender Art und Weise die Seele einer Stadt, die dies dennoch nie so richtig wahr haben wollte.
January 16 2012
Social Media und Zielgruppe, Google+ und SERPs, Facebook Zensur [Podcast]
In dieser Ausgabe des TheAngryTeddy.com Podcasts schaue ich mir die Themen Social Media und Zielgruppe, Google+ und Suchergebnisse sowie Facebook und sein Zugang zu Zensur an. Ich freu mich wie immer über Feedback und Bewertungen im iTunes Store.
Shownotes
Die Zielgruppe – Präsenzaufbau in Social Media
- Beispiel klassische Folderwerbung (1% Rücklauf, Immobilienmakler, Zielgruppenanalyse)
- erst zuhören, dann planen
aus dem Blog:
Identifizieren / Crawling
Hier geht es darum, relevante Communities und Plattformen ausfindig zu machen, Gesprächskanäle zu finden und eine Social Media Landscape zu erstellen.
Beobachten / Monitoring
Beobachten Sie Beiträge und Diskussionen auf diesen Plattformen. Gibt es Themenhierarchien, wie steht man zu Ihrer Branche, was sind die wichtigen Themen?
Analysieren
Wie wird auf den Plattformen gesprochen, mit welcher Wertigkeit und wie entwickeln sich solche Gespräche?
Interpretieren
Was lässt sich aus den gesammelten Daten schließen, hinsichtlich unserer strategischen Ziele?
- Bedeutung von Netnographie (= Parameter die eine Community zusammenhalten)
http://www.derfalschehase.at/blog/zielgruppe-social-media-monitoring
Tickt Google noch richtig? “Search Plus your world”
- Google personalisiert Suchergebnisse noch stärker für User
- Anzeige von Fotos und Google+ Meldungen (Suchbegriff Salzburg: findet ein Foto eines Hometrainers der am Fahrradständer angekettet ist)
- Während des Tippens werden schon Profile aus Google+ als Suchergebnisse angezeigt
- Einblenden von Google+ Profilen und Seiten zu Lasten von Adwords
- Frage nach dem Datenschutz?
Aus dem Blog:
Was wird sich dadurch ändern?
Schwer zu sagen. Ich stelle mal folgende Behauptungen auf:
* Google+ wird es leichter haben, Mainstream zu werden. Zumindest wird Google+ damit sicher viele neue Mitglieder bekommen.
* Gut vernetzte Unternehmensseiten bei Google+ werden extrem wichtig werden!
* Suchmaschinenoptimierung wird sich wie immer etwas verändern, das ist aber nichts neues. In diesem Fall wird es wieder mehr social werden.
* Google wird etwas an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verlieren. “Don’t be evil” sieht anders aus!
* Facebook und Twitter werden nochmal genau überlegen, ob es nicht doch sinnvoller wäre, sich Google gegenüber mehr zu öffnen.
* Einige hochbezahlte Juristen von Google, Facebook,… werden in der nächsten Zeit wieder viel Arbeit haben.
http://www.webmarketingblog.at/2012/01/14/google-search-plus-your-world
Facebook’s Zensur Hickup
- Anti Drogen Kampagne nutzte neue Timeline und stellte 2 Handlungsstränge (mit und ohne Drogen dar)
- Facebook löschte das Profil (Verstoß gegen die FB-Richtlinien ==> Fake Profil)
- Selbst Statusmeldungen die auf das Profil hinwiesen wurden gelöscht
- internes, selbst erstelltes Video wurde aus einer geschlossenen Gruppe gelöscht – Urheberrechtsverletzung, erst nach eidesstattlicher Erklärung wurde das Video wieder freigegeben
http://digitalaffairs.at/2012/01/11/facebooks-zensur-hickup
Verblendung: Original vs. Remake
Mit „Verblendung“ läuft zur Zeit ein Hollywood-Remake des 2009, nach der Romanvorlage von Stieg Larsson entstandenen Thrillers von Regisseur Niels Arden Oplev, in den heimischen Kinos. Diesmal wagte sich Action-Experte David Fincher über den Bestseller-Plot. Die Hollywood-Inszenierung des schwedischen Originals hält sich zwar nicht unbedingt an Roman,- und Filmvorlage, kann aber durchaus überzeugen.
Die Traumfabrik schafft eben noch immer die schrecklichsten Albträume. „Verblendung“, der erste Teil der Millennium-Romanreihe des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson, über den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der ob seines Recherchetalents als Detektiv angeheuert wird, um eine grausame Mordserie und das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mädchens zu klären, ist in seiner Komplexität wohl kaum in einem Satz zu beschreiben. Dass dies filmisch darzustellen, ebenso kein leichtes Unterfangen ist, liegt auf der Hand. Der schwedische Regisseur Niels Arden Oplev schaffte es dennoch, die Millennium-Trilogie in Szene zu setzen. Internationale Anerkennung und Auszeichnungen folgten.
Bei Blomkvists mysteriöser Gehilfin Lisbeth Salander, im schwedischen Original äußerst überzeugend von Noomi Rapace dargestellt, hielt sich Niels Arden Oplev ziemlich genau an die Romanvorlage, in der sich Lisbeth, aufgrund ihrer traumatischen Kindheitserlebnisse als gefühlskalte, labile Persönlichkeit erweist, unfähig menschliche Vertrauensbeziehungen einzugehen. Den Journalisten Michael Blomkvist scheint Lisbeth jedoch im Laufe ihrer Zusammenarbeit lieb zu gewinnen, woraus sich eine tiefer gehende Beziehung entwickelt, die dem Stoff seine zwischenmenschliche Komponente verleiht. Die Neuverfilmung Finchers hebt eben diesen Part hervor, indem Rooney Mara, die mit ihrer Rolle in „A Nightmare on Elm Street“ bereits Remake-Erfahrung hat, eine verletzlichere, lieblichere Lisbeth Salander verkörpert. Finchers Lisbeth wächst dem Betrachter, entgegen des schwedischen Films, der sich näher am Roman bewegt, von Anfang an irgendwie ans Herz und weckt ob ihrer Hilflosigkeit gewisse Beschützerinstinkte. Die Dramaturgie, die dieser schwierigen Beziehung entwächst und die Tatsache, dass Blomkvist seine Gehilfin Lisbeth am Ende enttäuscht, hinterlässt beim Zuseher ein Gefühl von Traurigkeit. Der Cliffhanger in Finchers Adaption ist derart hart inszeniert, dass man den zweiten Teil der Trilogie am liebsten gleich anschließen möchte.
Interessant auch die Tatsache, dass die europäische Verfilmung den Tod des Serienmörders durch einen Autounfall und Lisbeths unterlassene Hilfeleistung, kritisch thematisiert, während im Remake dies völlig ausgeblendet wird. Ein Film, entstanden in einem Staat, in dem die Todesstrafe als probates Mittel zur Verbrechensbekämpfung gesehen wird, lässt verständlicherweise keinen Zweifel aufkommen, welche Sanktion der Serienmörder Martin Vanger zu erhalten hat, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Michael Blomkvist, im Original vom schwedischen Schauspieler Mikael Nyqvist dargestellt, verblasst angesichts der fotogeneren Wirkung Daniel Craigs, welcher den neuen Blomkvist mimt. Möchte man sich so nahe wie möglich am Roman bewegen, so hieße die ideale Paarung wohl Noomi Rapace aus der ersten Verfilmung und Daniel Craig, dem man den verlebten, aber durchaus gut aussehenden Journalisten, der im Roman nicht nur mit einer Frau ins Bett steigt, eher abkauft, als dem schüchtern wirkenden Nyqvist.
Zwar gebührt der schwedischen Verfilmung alle Achtung im Hinblick auf Kameraführung, Regie und Kulisse, dennoch merkt man dem Thriller die ursprüngliche Konzipierung für das kleinere TV-Format an. Das Hollywood-Remake besticht hingegen durch weiter verdichtete Szenen, keinerlei Kompromisse in der drastischen Darstellung von Sex, Gewalt und exzessivem Zigarretten,- und Alkoholkonsums, der sich wie ein glühender Faden durch das qualmende Spektakel zieht.
Was Regisseur Gore Verbinski mit den „The Ring“ Verfilmungen, im Original in Japan auf japanischer Romanvorlage entstanden, höchst erfolgreich vormachte, versucht David Fincher nun mit der schwedischen Millennium-Trilogie. Ob die durchaus ansehnliche Verfilmung Niels Arden Oplevs es notwendig hat, einem Vergleich mit dem Hollywood-Remake stand zu halten – ich meine sie hat es nicht – sei dahingestellt. Fincher gelang mit „Verblendung“ ein harter, kompromissloser Psychothriller, der gewisse Details außen vor lässt um zentrale Themen wie Gewalt, Sex, aber auch Liebe, nach allen Regeln der Kunst dramaturgisch hervorzuheben. Darin liegt seine Stärke.
Die Traumfabrik schafft eben noch immer die schrecklichsten Albträume. „Verblendung“, der erste Teil der Millennium-Romanreihe des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson, über den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der ob seines Recherchetalents als Detektiv angeheuert wird, um eine grausame Mordserie und das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mädchens zu klären, ist in seiner Komplexität wohl kaum in einem Satz zu beschreiben. Dass dies filmisch darzustellen, ebenso kein leichtes Unterfangen ist, liegt auf der Hand. Der schwedische Regisseur Niels Arden Oplev schaffte es dennoch, die Millennium-Trilogie in Szene zu setzen. Internationale Anerkennung und Auszeichnungen folgten.
January 15 2012
Leben ohne Geld – Eine Frau steigt aus!
Kann man in der westlichen Gesellschaft auch ohne Geld leben? Ist es möglich glücklich und selbstbestimmt durch den Tag zu kommen ohne sich mit den Begriffen Leistung, Konsum und Geld auseinanderzusetzen? Beim vierten Guten.Morgen.Salon der Fabrikanten wurde lebhaft über das Thema diskutiert.
Die 69-jährige Heidemarie Schwermer scheint auf der ersten Blicke eine ganz normale ältere Dame zu sein. Ein gepflegtes äußeres, vermutlich ist sie auch eine liebevolle Großmutter und sie strahlt eine Ruhe und Freude aus, die zu einem Gespräch einladen. Zu erzählen hat sie viel, denn sie lebt seit 15 Jahren ohne Geld.
1942 in Ostpreußen in einer wohlhabenden Familien geboren, musste sie als Kleinkind mit den Eltern nach Deutschland fliehen. Sie waren den Wohlstand gewohnt und hatten dann nichts. Möglicherweise führte auch diese frühe Erfahrung dazu, das Heidemarie sich 1996 entschloss, ihr Leben ohne Geld zu versuchen. Davor war sie bereits zweimal “ausgestiegen”, kehrte aber jedes mal wieder nach Deutschland zurück. In den 90ern begann sie dann mit Tauschkreisen, in denen Waren und Dienstleistungen penibel gegeneinander aufgerechnet wurden. Doch sie ging noch ein paar Schritte weiter. Nun hat sie ihr Haus verkauft, ihr Besitz passt in einen Koffer und sie ist ständig auf Reisen. Zu Gast bei Freunden, Gleichgesinnten oder Leuten, die sie aus Interesse an ihrer spannenden Geschichte eingeladen haben.
gib & nimm
Aus dem Tauschprinzip heraus entwickelte sich die Idee von gib & nimm. Jeder gibt, was ihm Freude macht und erhält was er braucht. “Es geht nicht um einen berechnenden Tausch, sondern um einen Fluss von Ausgewogenheit.” so die Broschüre. Die bunten Sticker und die Texte über Wertewandel, weibliches Prinzip und spirituelle Einheit mögen etwas esoterisch anmuten, die praktischen Anwendungen und Tipps reihen sich aber in ein in eine Vielzahl von Initiativen und Ideen ein, die von vielen Menschen weltweit schon lange gelebt werden.
Egal ob Couchsurfing, Dumpstern, Kleidertauschpartys, Bookcrossing, Mikrokredite oder ähnliches, die westliche Gesellschaft schein an einem Punkt angelangt zu sein, an dem viele mit dem reinen Konsum nicht mehr zufrieden sind und wieder andere, sozialere und nachhaltigere Lebenswege suchen.
So wie zum Beispiel Dagmar Rauberger aus Klagenfurt. Die Mitstreiterin und derzeitige Gastgeberin von Heidemarie Schwermer hat in ihrem Haus immer Gäste. Die kommen und gehen, helfen im Haushalt, kochen, kaufen ein und können so, basierend auf gegenseitigem Einverständnis, bis zu zwei Monaten bei Dagmar wohnen. Sie lebt nicht ohne Geld, aber mit wenig Besitzt. Und das wichtigste in ihrem Haus ist die Tauschkiste, aus der sich jeder Gast nehmen kann was er braucht oder Dinge herschenken für die er keine Verwendung hat. Mit den “gib & nimm”-Stickern wollen die beiden erreichen, dass sich gleichgesinnte auf der Straße leichter finden können. Ob an der Haustür, am Koffer oder am Auto, wer den Sticker sieht, weiß das er hier jemanden findet der bereit ist zu geben oder zu helfen.
Ein gemütliches Frühstück
Ganz im Sinne der beiden Gäste baten die Fabrikanten die BesucherInnen, Kleinigkeiten für ein gemeinsames Frühstück mitzunehmen. Die Anzahl der Anmeldungen überstieg bald die Kapazität des ursprünglichen Veranstaltungsorts Missing Link. Auch die Ankündigung in den Medien hat zu einem regelrechten Ansturm geführt. So trafen sich 150 Interessierte im Kepler Salon zum Frühstück.
Links zum Thema
heidemarieschwermer.com
Die Homepage der Lebenskünstlerin und Autorin
fruehling2012.servus.at
Linzer Initiative für eine ökologische, nachhaltige, chancengleiche und eine echte demokratische Zukunft!
gerngeschehen.at
Ein österreichisches Projekt für Nachbarschaftshilfe 2.0
fabrikanten.at/GutenMorgenSalon
Die Fabrikanten organisieren in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Personen aus Kunst, Philosophie und Gesellschaft.
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